Hintergrund-Info

Um dem weltweiten Klimawandel zu begegnen, muss die durchschnittliche Erd-
erwärmung auf 2°C begrenzt werden. Dies bedeutet, dass der treibhausfördernde CO2-Ausstoss nach Forderung der Klima-
forscher auf maximal 3 Tonnen je Einwohner begrenzt wird.
Die Industrienationen sind von diesem Ziel weit entfernt. Deutschland lag 2011 im Ländervergleich an 6. Stelle der weltweit grössten CO2-Emissionen.
Deutschland will den CO2-Ausstoss (gegenüber 1990) bis 2020 um 40 % senken, bis zum Jahr 2050 um 80 bis 95 %.

Über 90 % aller CO2-Emmisionen weltweit sind energiebedingt. Eine Reduktion kann nur erfolgen durch:
- Umstellung der Energieversorgung auf umweltfreundlichere Alternativen
- Steigerung der Energieeffizienz
- Verringerung des Energieverbrauchs
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Energieeffizienz bei Gebäuden

Für die Gebäudeheizung privater Haushalte wird in Deutschland ein Sechstel des gesamten Primärenergieverbrauchs verwendet, dies bewirkt ca. 10% der jährlichen CO2-Emissionen.
Der Anteil der Neubauten liegt bei ca. 1%, die grösste CO2-Minderung ist also durch die Verbesserungen im Altbestand zu erreichen, allerdings mit höheren Kosten als beim Neubau.
Mit passivhaustauglichen Komponenten lässt sich auch bei Bestandsbauten, je nach Gebäudeart, der Energieverbrauch um bis zu 90% reduzieren.
Bei einer energetischen Sanierung von Bestandsbauten kann es sinnvoll sein, diese durch Umbauten / Ergänzungen etc. auch an die heutigen Nutzerwünsche anzupassen, z.B. die Raumzuschnitte und Belichtung zu verbessern, überalterte Sanitärbereiche zu erneuern sowie die gesamte Haustechnik energetisch zu optimieren.

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EnEV 2014

Mit der kommenden Novelle der Energieeinsparverordnung (EnEV 2014, ab 01-05-2014) werden die energetischen Anforderungen beim Neubau weiter erhöht:

- Reduktion des zulässigen Jahres-Primär-
energiebedarfs um durchschnittlich 25%
- Verbesserung der gedämmten Gebäude-
hülle um ca. 20%.
Die Anhebung der Neubauanforderung ist ein Zwischenschritt  zu den ab 2021 geltenden EU-Niedrigst-Energie-Gebäudestandard.

Dies entspricht fast einem Null-Energie-Haus, d.h. der sehr geringe Energiebedarf wird fast ausschliesslich von regenerativen Energiequellen gedeckt.

Die Anforderungen bei der Sanierung von Bestandsgebäuden haben sich gegenüber der EnEV 2009 nicht verändert.
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Passivhaus

Passivhäuser zeichnen sich durch besonders hohe Behaglichkeit bei sehr niedrigem Energieverbrauch aus. Diese Bauweise wird in weniger als 10 Jahren vom Gesetzgeber bei Neubauten vorgeschrieben und ist heute mit zahlreichen am Markt vertretenen Produkten auch wirtschaftlich realisierbar.

Eine besonders gute Wärmedämmung aller Gebäudeaussenflächen, eine wärmebrücken-
freien Konstruktion und eine luftdichte Gebäudehülle werden kombiniert mit einer Komfortlüftung mit hocheffizienter Wärme-
rückgewinnung.
Gegenüber der herkömmlichen Bauweise wird sowohl der winterliche Wärmeschutz (angenehm warme Oberflächen der Innenwände) als auch der sommerliche Wärmeschutz (weniger Überhitzung) verbessert.
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Das Passivhaus benötigt für die Heizung im Jahr bei üblicher Nutzung nicht mehr als 15 kWh pro m2 Wohnfläche, dies entspricht ca. 1,5 l Heizöl oder ca. 1,5 m3 Erdgas.
Der Energieverbrauch für Warmwasser ist im Passivhaus etwa genauso gross wie für die Heizung.
Der Strombedarf für eine effiziente Komfort-
lüftung fällt mit rund 2 kWh/(m2a) sehr gering aus.
Der Primärenergiebedarf für den gesamten Betrieb (für Heizung, Lüftung, Warmwasser und Strom für Beleuchtung und den Betrieb aller internen Geräte) ist auf max. 120 kWh/(m2a) reduziert.

Wird dieser Rest-Energiebedarf durch solare Gewinne / Windkraft kompensiert, spricht man vom „Null-Energie-Haus“, falls das Gebäude über das Jahr gerechnet mehr Energie gewinnt als verliert vom „Plus-Energie-Haus“.
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Wirtschaftlichkeit / Re-Investition

Wann zahlen sich die Mehrkosten zur Energieeinsparung wieder aus?
Ökologisch betrachtet, für die Umwelt sofort. Finanztechnisch betrachtet amortisieren sich die Mehrkosten durch die Einsparung beim Energieverbrauch. Dieser Effekt wird durch die anhaltenden Energiepreissteigerungen weiter verstärkt.
Durch zinsverbilligte Förderkredite der KfW-Bank wird ein Anreiz zur Mehrinvestition in energetisch optimierte Gebäude gegeben.
Die Kostenbetrachtung hängt natürlich stark vom jeweiligen Objekt ab.
Würde nach etwa 15 Jahren das „Standardhaus“ mittels einer „energetischen Sanierung“ auf das „Passivhaus-Niveau“ gebracht, wären vergleichsweise viel höhere Investitionssummen erforderlich als beim Neubau.
Die Überlegung, ein möglichst energetisch optimiertes Gebäude zu bauen, lohnt sich daher.

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Ressourcen sparendes Bauen

Unter „nachhaltigem Bauen“ versteht man eine Bauweise, deren Qualitäten sich erst zukünftig und für kommende Generationen richtig auswirkt. Bei einer ganzheitlichen Betrachtungsweise wird klar, dass „nachhaltiges Bauen“ nur „Ressourcen sparendes Bauen“ sein kann.


Die Betrachtung der nachfolgenden Faktoren wird beim Bauen stärker berücksichtigt werden:


- Bauland

- Rohstoffe / Baustoffe

- Wasser + Energie

- Gebäudesubstanz

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Bauland

Steigender Wohnraumbedarf durch kleinere Haushalte und höherer Wohnkomfort führen trotz stagnierender Bevölkerungszahlen in Deutschland zu einem Mehrbedarf.
Die momentan durchschnittliche Wohnfläche pro Person von 41,6 m2 nimmt jährlich um 0,5 bis 0,7 % zu. Ähnliches gilt beim Mehrbedarf für Büroflächen.
In Deutschland wurden 2010 pro Tag ca. 7.700 m2 für neue Siedlungen und Verkehrsinfrastruktur verbraucht. Ohne Innenverdichtung würde die Stadt Frankfurt alle 6 – 7 Jahre einen neuen Stadtteil mit ca. 10.000 Einwohnern benötigen.
Eine qualitätsvolle Nachverdichtung in den Städten ist nur noch bedingt möglich, eine weitere Zersiedelung der Landschaft führt auch zu vermehrtem Verkehrsaufkommen. Bauland wird zum begrenzten Gut und immer teurer.
Zukünftiges Bauen bedeutet, die Städte für das Wohnen attraktiver zu gestalten und bessere Wohnqualitäten in überschaubaren Wohneinheiten zu realisieren.

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Rohstoffe / Baustoffe

Zukünftig wird bei der Auswahl von Baumaterialien die „grauen Energie“ gewertet,  d.h. die Energie für:
- Produktion / Transport zur Baustelle
- Bauen / Baubetrieb / Bauunterhaltung
- Gebäuderückbau / Recycling
Das novellierte deutsche Kreislaufgesetz auf Basis der EU-Richtlinie von 2008 sieht bis 2020 vor, dass 70 % aller Bau- und Abbruch-
abfälle stofflich verwertet werden müssen.

Wichtig ist auch die Auswirkung der Baustoffe auf das „Wohnklima“, durch:
- Wärmespeicherung / Feuchteregulierung
- keine Emissionen von Schadstoffen
- Erzeugung einer wohnlichen Atmosphäre.

Unter diesen Aspekten hat die Holzbauweise in den letzten Jahren eine enorme Belebung erfahren. Sowohl die Entwicklung neuer Bau-
produkte aus Holz (z. B. Brettstapeldecken, Vollholzwänden),  die Weiterentwicklung von Holzbau-Konstruktionen und ökologischer Dämmstoffe und die differenziertere Betrach-
tung des Brandschutzes führen jetzt zu mehr-
geschossigen Holzbauten und neuen Ver-
wendungsmöglichkeiten von Holzbauteilen.

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Wasser + Energie

Der sparsame Umgang mit Wasser und Energie wird sowohl bei der Produktion von Baustoffen berücksichtigt werden als auch beim Betrieb eines Gebäudes.

Die Rückhaltung und örtliche Versickerung des anfallenden Regenwassers wird in fast allen Neubaugebieten gefordert. Bei der Nachverdichtung ist dies oft aufgrund der ausgelasteten Kapazität der Bestandsab-
wasserleitungen zwingend erforderlich.

Dachbegrünungen halten 50 % des anfal-
lenden Regenwassers zurück und haben mit ihrer wasserspeichernden Funktion eine positive Auswirkung auf das Mikroklima.

Das restliche Regenwasser kann in Zyster-
nen für die Toilettenspülung und die Garten-
bewässerung gespeichert werden oder speziell gestalteten Versickerungsflächen der Aussenanlagen zugeführt werden.
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Gebäudesubstanz

Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit ist die Beurteilung der vorhandenen Bausubstanz bei Altbauten von grosser Bedeutung.
Bei einer soliden Bauausführung und einer hohen Gestaltqualität fällt oft die Entschei-
dung für den Erhalt und für die Weiter-
nutzung des Gebäudes.
Die lange „Werthaltigkeit“ eines Gebäudes lässt sich bereits beim Neubau sichern.
- solide Materialien und gute Ausführungsqualitäten
- potentielle Erweiterungsmöglichkeiten durch Anbauten oder Aufstockungen
- einfache statische Konstruktionen und Trennung von Tragwerk und Ausbau
- offene Raumzuschnitte für verschiedene Nutzungen geeignet
- günstige Lage von Treppen für Erweiterungen oder Unterteilungen
- kompakte Führung aller technischen Ver- und Entsorgungsleitungen
- ansprechende, überzeugende und prägende architektonische Gestaltqualität

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Lebenszyklus-Betrachtungen

Die CO2-Gesamtbilanz beinhaltet den kompletten Lebenszyklus eines Gebäudes:
- die Herstellung der einzelnen Bauprodukte und deren Transportwege
- der energetische Aufwand beim Bauen
- der energetische Aufwand für den Betrieb
- die Wartungsintervalle und Sanierungs-
aufwendungen beim Gebäudeunterhalt
- die Aufwendungen für den Abriss
- die Aufwendungen für die Trennung und Wiederverwertung der Baumaterialien
Systeme zur Ökobilanzierung in Deutschland:
- Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung (BMVBS)
- Deutsches Gütesiegel Nachhaltiges Bauen der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB)
- Bewertungssystem Nachhaltiger Wohnungs-
bau (BNW) der Wohnungswirtschaft
"Nachhaltige Gebäude" mit einer guten CO2-
Gesamtbilanz werden auch bei einer wirt-
schaftlichen Betrachtung über den gesamten Lebenszyklus sich als günstig erweisen.

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